An sechs Standorten in ganz Halle verteilt
Nachdem unsere Beteiligung an der jährlichen Langen Nacht der Wissenschaften 2025 der Universität Halle so erfolgreich verlaufen war, stand schnell fest, dass auch in diesem Jahr das Just Transition Center wieder teilnehmen würde – aber natürlich in größerem Maßstab.
Insgesamt war das JTC an sechs Stationen in der ganzen Stadt vertreten, sodass alleine mit unseren Angeboten nahezu der ganze Abend gefüllt werden konnte.
Am Hauptstand am Universitätsplatz, den wir uns mit den anderen Strukturwandelinitiativen der MLU teilten, ging es vor allem um Energie. Hier konnte an der Station des Teams B3 eine chemische Brennstoffzelle ausprobiert und erforscht werden, wie sich ein Luftballon, an dem man reibt, elektrostatisch auflädt und einem so z.B. die buchstäblich die Haare zu Berge stehen lässt. Oder man testete sein Wissen rund um Solarenergie bei unserem Quiz, das Torsten Hölscher vom Team B5 für uns entwickelt hatte. Die zehn Fragen waren zum Teil sehr kniffelig und sorgten für Erstaunen und Erheiterung unter den Besucherinnen und Besuchern. Einige waren sogar explizit dafür zu uns gekommen und warteten geduldig, während andere die Fragen mit unseren Revierscouts Christian Hennicke und Cornelia Deimer oder mit Koordinatorin Simone Müller gerade besprachen. Die drei wurden den ganzen Abend des Erzählens nicht müde, berichteten auch allgemein zur Arbeit des JTC und verteilten Stempelhefte, die zum Besuch der anderen Stationen einluden und kleine Preise versprachen.
Besonders begeistert war unser multinationales Team B6, das geduldig den zahlreichen Kindern zeigte, wie sie ihre erste eigene Batterie bauen konnten. Mit Alufolie bauten sie eine Mini-Aluminium-Luft-Batterie, maßen Stromstärke und Spannung und staunten dann mit großen Augen, wie dieses kleine Teil eine LED zum Leuchten bringen konnte.
„Diese Begeisterung (der Kinder) zu sehen, machte all die Arbeit, die wir in die Vorbereitung der Aktivität gesteckt hatten, lohnenswert.“ (Anjali Bhatt)
Die Eltern waren ganz stolz auf ihren batteriebauenden Nachwuchs, stellten aber auch selbst viele Fragen rund um Batterien, Energiespeicher und deren Bedeutung für den Erfolg Erneuerbarer Energien aus Wind und Solar.
Kurz vor dem Ende des Abends stellte ein etwa 11-jähriger Junge eine Frage, die dem Team besonders in Erinnerung blieb: „Warum bringt man eigentlich keine Spiegel ins Weltall, um nachts über Solarzellen Strom zu produzieren?“. Die Batterieexperten mussten hier kurzzeitig in die Schuhe unseres Photovoltaikteams steigen, um diese Frage zu beantworten: Sie erklärten, wie Solarzellen funktionieren, dass Vakuum im Weltall den Wärmetransport beeinflusst, sich Objekte im geostationären Orbit und darüber relativ zur Erdoberfläche bewegen und man auf die Entfernung Licht fokussieren müsste; und wieviel Energie es auch braucht um die Last der Solarmodule in die Erdumlaufbahn zu bringen.
Von Solarzellen bis zur biografischen Transformationsforschung
Wer Informationen dazu aus erster Hand haben wollte, konnte bei unserem Photovoltaik-Team B5 selbst vorbeischauen und eine der Laborführungen mitmachen. In insgesamt acht Führungen präsentierten die Doktoranden Oliver Wolf und Sebastian Zimmermann das Mess- und Präparationslabor für neue Materialien der Photovoltaik und gaben Einblicke in die Entwicklung moderner Solarzelltechnologien. Bei den anschließenden Diskussionen und dem dort ebenfalls angebotenen Solarquiz tauschten sich die Gäste angeregt über Möglichkeiten der Energieversorgung durch kleine modulare Kernreaktoren über Wind- und Solarenergie bis hin zu E-Fuels aus. Stündlich kamen ca. 20 bis 30 Personen, sodass diese in kleinere Gruppen aufgeteilt werden mussten. „Ein voller Erfolg!“, meint Teamleiter Torsten Hölscher.
In den Franckeschen Stiftungen konnten die Besucher*innen bis 19 Uhr erkunden, womit sich Studierende im Master Erziehungswissenschaften bei unserem Team A4 im Semester beschäftigt haben. Diese hatten eine Posterausstellung zu Transformationsversprechen im Strukturwandel erarbeitet, die am Franckeplatz gezeigt wurde. Die drei vorgestellten studentischen Projekte waren:
- „Ihr entscheidet dann was weg kann und was bewahrt werden muss – Das Problem der Generationalität im Strukturwandel“ – Fiona Teske
- „Transformationsversprechen – Wie deuten zentrale Akteur*innen den laufenden Strukturwandel und die damit verbundene Transformation im Feld?“ – Judy Mehner, Frederike Martens und Lara Weis
- „Erinnern Miteinander – Erinnerungsprozesse in der Transformation“ – Antonia Steckrodt und Sarah Kümpel
Sie zeigten, wie Transformation vor Ort biografisch, historisch und organisatorisch verhandelt wird und welche Erwartungen und Konfliktlinien damit verbunden sind. Damit stießen sie interessante Gespräche mit den Besucherinnen und Besuchern an, die von der Vielfalt der Forschungsperspektiven begeistert waren und sich freuten, „dass auch Themen in der Forschung behandelt werden, die in der Öffentlichkeit kaum Widerhall finden“ (Eleonore Freier). Die Besucher*innen wurden zum Nachdenken angeregt und konnten in der Diskussion eigene Erfahrungen einbringen.
Weiter ging es dann in die Große Ulrichstraße, wo die Werkleitz-Gesellschaft ihr diesjähriges Festival „Früher oder Später“ eröffnete. Bei der dortigen Ausstellung inkl. Wettbewerb „100 Kunstwerke für die Zeit“ war auch unser Kollege Gregory Gan vertreten. Sein Kunstwerk „Amsdorf“ ist das erste aus der vierteiligen Bilderserie, die mit aus dem mitteldeutschen Bergbaugebiet und aus der Lausitz gewonnenen Farbpigmenten hergestellt wurden. Darunter sind neben Braunkohle auch so exotische Materialien wie der Holzstoff Lignin oder Beton, die den Künstler bei der Be- und Verarbeitung vor ganz neue Herausforderungen stellten.
Edle Steine – alles echt oder fake?
Bei unseren Geologen am Weinbergcampus konnten mit einem portablen Röntgenfluoreszenz-Analysator (RFA) metallische und mineralische Proben untersucht und die chemische Zusammensetzung von Proben innerhalb weniger Sekunden bestimmt werden. Die meisten Fragen der Besucher bezogen sich auf die Funktionsweise des Analysators. Viele Besucher ließen die chemische Zusammensetzung von Urlaubsmitbringseln (v.a. Steinen) testen, wobei sich auch das eine oder andere seltene Exemplar finden ließ, „darunter beispielsweise Auripigment, das aufgrund seines Arsengehalts giftig ist. Beim nächsten Mal werde ich deshalb auf jeden Fall Handschuhe mitbringen.“, meint Doktorand Christian Lohmann. Die meisten Besucher*innen konnten beruhigt werden: ihre mitgebrachten Schmuckstücke und Münzen waren echt.
„Lediglich einen Besucher mussten wir enttäuschen: Seine vermeintlich mittelalterliche Silbermünze stellte sich als Fälschung aus Zinn heraus.“ (Christian Lohmann)
Neben der Röntgenfluoreszenzanalytik gab es eine kleine Ausstellung zum Anfassen mit einer Vielzahl von Gesteinen. Diese repräsentierten die 3 wichtigen Gesteinsgruppen: Magmatische Gesteine, Sedimentgesteine und metamorphe Gesteine. Besonders spannend für die Kleinsten war das Experiment, ob Gesteine schwimmen können. Dazu lagen einige Stücke Bims bereit, die man in ein mit Wasser gefülltes Glas legen konnte. Zur Überraschung vieler Besucher schwamm der Bims im Wasser – das liegt an den vielen Poren und Hohlräumen im Gestein, die für eine geringere Dichte sorgen.
Neugierige Blicke durchs Mikroskop
Im Biozentrum stellte Constanze Zwies mit ihrem Team B4 vor, welche wichtige Bedeutung Bakterien in unserem Alltag übernehmen. Sie zeigten ihren ungiftigen Bioklebstoff, der aus in Bakterien gezüchteten Designer-Proteinen hergestellt wird und erklärten, was man damit im Alltag und in der Industrie alles kleben kann: Pressspanplatten ohne Formaldehyd zum Beispiel, oder Sandgussformen, die sich recyceln lassen. Dabei durften alle auch anfassen und mitmachen:
„lebende Hefezellen live beobachten – für viele unserer jüngsten Besucherinnen und Besucher war das auf jeden Fall ein Highlight“, berichtet die Teamleiterin.
Unterhalt berechnen ohne Streit
Ein tolles anwendungsbereites Projekt stellte unser rechtswissenschaftliches Team C2 im Hörsaal am Universitätsplatz vor: Luis Bartsch, studentischer Mitarbeiter im Team erklärte, wie der Unterhaltsrechner funktioniert, der spezielle für Eltern konzipiert wurde, die im Wechselmodell leben und betreuen. Die anwesenden Eltern hatten viele Fragen aus ihrer eigenen Erfahrung und konnten wertvollen Input zur Weiterentwicklung des webbasierten Rechners geben. Luis Bartsch war ein wenig wehmütig, denn dies war sein (vorerst) letzter Auftritt für das JTC. Er hat sein Studium abgeschlossen und beginnt nun einen neuen Job im Bereich Legal Tech. Die Entwicklung seines ehemaligen Teams wird er aber weiter beobachten, hat er versprochen.
Die eine oder andere Berufsentscheidung beeinflusst
Insgesamt waren alle teilnehmenden Forscherteams und Revierscouts zufrieden mit der Veranstaltung. Die Wissenschaftler*innen sind sicher, dass sie mit ihrer Vorstellung so einige junge Besucherinnen und Besucher für ihr Fach und eine Karriere im naturwissenschaftlichen Bereich begeistern konnten. Im anschließenden sonnigen Wochenende wurden dann erst einmal Füße hochgelegt und heisere Stimmbänder auskuriert.