Industrielle Standorte und das Bergbauerbe prägen die Identität des Mitteldeutschen Reviers. Gleichzeitig stehen viele Orte vor ganz praktischen Fragen: Wie lassen sie sich langfristig erhalten? Wie können neue Nutzungen, tragfähige Finanzierungsmodelle und mehr öffentliche Sichtbarkeit entstehen?
Darüber diskutierten Akteur*innen aus Kultur, Regionalentwicklung, Tourismus, Verwaltung und Wissenschaft beim JTC-Dialog „Industriekultur & Bergbauerbe“ am 17. Juni 2026 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Vier Impulsvorträge eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf das Thema und bildeten die Grundlage für die anschließenden Diskussionen.
Zum Auftakt stellten Anik Kompalla (SEWIG) und Uwe Gajowski (Landkreis Mansfeld-Südharz) das Verbundprojekt „Erlebnisregion Bergbau Mitteldeutschland“ vor und zeigten, wie regionale Kooperationen den Strukturwandel aktiv mitgestalten können. Dr. Alexander Klose (MLU/JTC) warb anschließend mit seinem Beitrag zur „Bitterfelder Blase“ für ein prozessuales Verständnis von Industriekultur und eröffnete neue Blickwinkel auf den Umgang mit industriellem Erbe. Prof. Dr. Michael Stipp und Dr. Ralf Halama (beide MLU/JTC) richteten den Blick auf das Lehr- und Forschungsbergwerk Röhrigschacht in Wettelrode als bedeutendes Zeugnis des deutschen Kupferbergbaus. Den Abschluss bildete Sándor Mohácsi (BZ Wolfen-Bitterfeld e. V.), der anhand des Bildungszentrums Wolfen-Bitterfeld aufzeigte, wie Industriekultur junge Menschen für Zukunftsthemen begeistern kann.
Im gemeinsamen Austausch kristallisierten sich vier zentrale Handlungsfelder heraus:
- Gemeinsames Profil entwickeln: Die unterschiedlichen Standorte und Geschichten des Reviers stärker verbinden und als regionale Stärke sichtbar machen.
- Industrielles Erbe dauerhaft sichern: Neben dem baulichen Erhalt braucht es Nachwuchs, Wissenstransfer und verlässliche Strukturen für Haupt- und Ehrenamtliche.
- Finanzierung breiter aufstellen: Langfristige Perspektiven erfordern Modelle, die nicht ausschließlich von einzelnen Förderprogrammen abhängig sind.
- Vergangenheit mit Zukunftsthemen verbinden: Industriekultur kann zur regionalen Identität, zur Bildung, zum Tourismus und zur Attraktivität des Reviers beitragen.
Der Dialog machte zugleich deutlich, dass das Revier bereits über zahlreiche engagierte Akteur*innen und starke Einzelstandorte verfügt. Die zentrale Aufgabe besteht nun darin, diese Potenziale stärker zu vernetzen, gemeinsame Interessen herauszuarbeiten, eine Forschungsagenda zu entwickeln und tragfähige Kooperationen für die Zukunft aufzubauen.
Beim anschließenden Ausklang mit Getränken und Speisen wurden viele Gespräche fortgesetzt, neue Kontakte geknüpft und bestehende Netzwerke weiter gestärkt. Das JTC Transferteam bedankt sich herzlich bei allen Referierenden und Teilnehmenden für die wertvollen Beiträge und den konstruktiven Austausch.