Postindustrielle Zukünfte
Welcher Bedeutung kommen Konversionsflächen als Schnittstellen von „alten“ und „neuen“ Energielandschaften zu?
Foto: Paul Zschocke
Wie wird die Veränderung von Energielandschaften im Mitteldeutschen Revier wahrgenommen, gedeutet und ästhetisiert? Welche Bedeutung haben insbesondere Konversionsflächen als Schnittstelle zwischen alten und neuen Energielandschaften? Welche alten und neuen Konfliktlinien werden in dem Spannungsfeld mobilisiert und welche Impulse ergeben sich daraus für die planerische Praxis?
Das Mitteldeutsche Revier ist eine Region tiefgreifender Umbrüche und markanter Ungleichzeitigkeiten. Die Energiegewinnung und Rohstoffextraktion, insbesondere der großindustrielle Abbau von Kohle, Kupferschiefer und Kalisalz, haben die Landschaften im südlichen Sachsen-Anhalt über die Jahrhunderte geprägt.
Auch im gegenwärtigen Strukturwandel hält die Transformation von Energielandschaften an. Dabei birgt der Ausbau von Infrastrukturen der erneuerbaren Energieerzeugung Chancen für eine CO₂-neutrale, regionale Energieproduktion. Mit ihrem Entstehen, Verschwinden und Sichtbarwerden verändert sich auch die Beziehung der Menschen zu diesen Infrastrukturen und ihrer landschaftlichen Einbettung. Alte und neue Konfliktlinien werden mobilisiert und wirken in der Transformation.
Das Forschungsprojekt untersucht, welche Bedeutung Konversionsflächen als Schnittstellen von „alten“ und „neuen“ Energielandschaften zukommen. Sowohl die weithin sichtbaren Halden des Altbergbaus als auch die Seen der Tagebaufolgelandschaft und Industriedenkmäler sind längst mehr als nur stumme Relikte der epochemachenden Industrialisierung. Als Konversionsflächen werden sie heute auch für erneuerbare Energieinfrastrukturen genutzt und sind somit Teil von Energielandschaften in Transformation.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt die Schaffung erneuerbarer Energieinfrastrukturen im Umfeld von Konversionsflächen aus einer sozio-territorialen Perspektive. Besonders von Interesse ist die raumzeitliche Situierung der gegenwärtigen „Energiewende“, die anhand von performativen, affektiven und ästhetischen Dimensionen des In-Beziehung-Tretens sowie planerischen Praktiken der Herstellung von Energielandschaften untersucht wird.