Tiere, Macht und Raum: Mehr-als-menschliche Politische Geographien der Tiergesundheit
Wie werden räumliche Grenzen zur Herstellung von Tiergesundheit hervorgebracht, legitimiert, stabilisiert, verschoben oder infrage gestellt? Dieses Forschungsprojekt untersucht die räumliche Regulierung von Tierkrankheiten, wie der Afrikanischen Schweinepest oder der Vogelgrippe, aus Perspektive einer mehr-als-menschlichen Politischen Geographie.
Foto: Pexel, Creative Commons
in Kooperation mit dem DFG-Projekt Nr. 450048046
Tiere und Viren setzen machtvolle Geographien in Gang. Dies zeigt sich besonders deutlich im politischen Umgang mit Tierkrankheiten wie der Afrikanischen Schweinepest oder der hochpathogenen aviären Influenza (Vogelgrippe). Um Tiergesundheit für bestimmte Subpopulationen herzustellen und nationale Agrar- und Fleischökonomien zu schützen, werden vielfältige Maßnahmen implementiert, die sich in Territorialisierungen und Grenzziehungen räumlich manifestieren.
Ein aktuelles Beispiel ist der Umgang mit der Vogelgrippe in Mansfeld-Südharz. Der Stausee Kelbra hat sich im Zuge des Strukturwandels zu einem der bedeutendsten Rastplätze für Eurasische Kraniche (Grus grus) in Mitteleuropa entwickelt. Gleichzeitig war die Konzentration großer rastender Vogelpopulationen zuletzt im Oktober 2025 mit einem massiven Ausbruch hochpathogener aviärer Influenza in der Region verkoppelt. Die daraufhin verhängten Maßnahmen – darunter Schutz- und Überwachungszonen, Massenkeulungen, Betretungsverbote sowie kartographische Risikoausweisungen – verdeutlichen, wie Wildtiere, Viren und Geflügelhalter in konfliktreiche mehr-als-menschliche Regierungspraktiken eingebunden werden. Damit zeigt sich das Spannungsfeld zwischen Strukturwandel, Naturschutz und Tiergesundheit, das im Zentrum des Forschungsprojekts steht.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt die mehr-als-menschlichen Regierungspraktiken, die im Umgang mit Tierkrankheiten sichtbar werden. Zentral ist dabei die Fragestellung, wie im politischen Umgang mit (Tier-)Krankheiten spezifische räumliche Ordnungsmuster produziert, legitimiert, verschoben oder herausgefordert werden. Gleichzeitig wird analysiert, wie Tiere und Viren diese Regierungspraktiken unterlaufen, transformieren oder Brüche in bestehenden räumlichen Ordnungssystemen offenlegen – etwa dann, wenn hochmobile Arten wie Kraniche territoriale Kontrolllogiken infrage stellen.
Das Projekt bettet sich in die kritische Transformationsforschung und die More-than-Human Political Geographies ein. Ziel ist es, Tiere, Viren und andere Materialitäten als relevante Forschungssubjekte in der Politischen Geographie und der kritischen Transformationsforschung zu verankern und anthropozentrische Perspektiven zu überwinden.
