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Bericht
Hallesche Chemieforschungsgruppe gegründet – Ziele und Entwicklungen
29. Dez. 2025

Dr. Alexander Klose

Blicl auf den Universitätsplatz der MLU Halle-Wittenberg, Foto: Uni Halle / Maike Glöckner

Am 27. März 2025 fand der Auftaktworkshop „Chemie gibt Brot, Wohlstand und Schönheit“ im Direktorenhaus des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen statt. Ein Bericht..

Situiert im kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum des Mitteldeutschen Chemiedreiecks, verfolgt sie folgende Ziele:

  1. Bündeln der Grundlagen für die sozial-, kultur- und geisteswissenschaftliche Erforschung der chemischen Industrie, ihrer Produkte und deren gesellschaftlicher Bedeutung(en);
  2. Erforschung sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Dimensionen des mitteldeutschen Chemiereviers;
  3. Vernetzung mit Forschungen zu anderen Chemieregionen und chemischen Geografien sowie anderen sozio-chemischen Fragen im deutschsprachigen Raum und international.

Die HCFG trifft sich seitdem einmal monatlich, alternierend zwischen reinen Vorort-Treffen in kleinem Seminarrahmen und hybrid erweiterten Sitzungen mit Gästen und Videoübertragung. Anwesend bei der Gründungssitzung (in aphabetischer Reihenfolge): Sophie Altmiks (JTC), Janine Hauer (Institut für Ethnologie, MLU Halle), Jürgen Viet Anh Höpfel (JTC), Alexander Klose (JTC), Daniel Wolter (JTC).

Assozierte ( in alphabetischer Reihenfolge, Stand 12/2025: Steffi Forman (JTC), Julia Ostertag (JTC), Benjamin Steininger (MPI für Geoanthropologie, Jena), Asta Vonderau (Institut für Ethnologie, MLU Halle), Constanze Zwies (JTC). Die ersten beiden formierenden Sitzungen fanden am 12. und 21. Mai 2025 statt.

Als Grundlage dienten eine Reihe von Texten zur Einführung in die Thematiken, die jeweils in den Sitzungen vorgestellt und diskutiert wurden (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Andrew Barry, Manifesto for a Chemical Geography, Inaugural lecture, 24th January 2017; https://www.ucl.ac.uk/social-historical-sciences/sites/social_historical_sciences/files/andrew_barry_manifesto_for_a_chemical_geography.pdf;
  • Maan Barua, »Metabolic geographies: Work, shifts and politics« In: Progress in Human Geography 2025, 49(2) 145–163;
  • Deana Jovanović, »Prosperous Pollutants: Bargaining with Risks and Forging Hopes in an Industrial Town in EasternSerbia«, in: Journal of Anthropology, https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00141844.2016.1169205;
  • Primo Levi, »Kohlenstoff«, in: Ders., Das Periodische System, 1987;
  • Wilhelm Ostwald, »Das Problem der Zeit«, In: Ders., Abhandlungen und Vorträge allgemeinen Inhalts (1897-1903), 241-257;
  • Nicholas Shapiro, »Chemo-Ethnography: An Introduction«, in: CULTURAL ANTHROPOLOGY, Vol. 32, Issue 4, pp. 481–493
  • Judith Willkomm, »Feldstudien über Feldstudien. Ein wissenschaftshistorischer Rückblick mit medienhistorischem Ausblick«, in: Raphaela Knipp / Johannes Paßmann / Nadine Taha (Hrsg.), Vom Feld zum Labor und Zurück, 175-184.

Folgende Fragen kristallisierten sich als Anfangsfragen der gemeinsamen und parallelen Erforschung des sozio-chemischen Feldes heraus:

  • Wie war es, wie ist es und wie wird es sein, Tag für Tag in unmittelbarer Nachbarschaft der chemischen Industrie zu leben?
  • Inwiefern lassen sich die Erfahrungen der radikalen Transformation der mitteldeutschen chemischen Industrie in den Jahren 1990ff. mit den heute anstehenden strukturellen Veränderungsprozessen vergleichen?
  • Welche Arbeitsprozesse, Alltagsroutinen und Überzeugungen verbergen sich innerhalb der Produktion und Nutzung chemisch-industrieller Verbindungen, aber auch innerhalb der Beseitigung von giftigen Altlasten und toxischen Stoffen und der Aufrechterhaltung der dafür notwendigen kritischen Infrastruktur?
  • Inwiefern sind chemische Wärme- und Kälteinfrastrukturen Teil unserer sozialen und kulturellen Praktiken, und welche Anknüpfungspunkte bieten sich für mögliche Änderungen an?
  • Welche gesellschaftlichen Stoffwechselprozesse bestimmen die Herstellung und Verwendung chemischer Industrieprodukte?
  • Wie beeinflusst chemisches Denken, bewusst oder unbewusst, die soziale, politische und kulturelle Ordnung unserer Gegenwart?

Die dritte Sitzung der HCFG fand am 15. Juli 2025 erstmals mit geladenen externen Gästen im Seminarraum des ZIRS statt. Der Chemiker Fred Walkow, ehemaliger Mitarbeiter der Filmfabrik Wolfen und von 1990 bis 2015 Leiter des Bitterfelder Umweltamtes, erläuterte den Anwesenden die ökologischen Auswirkungen der mehr als einhundertjährigen Geschichte der chemischen Industrie am Standort Bitterfeld-Wolfen. Mit Fokus auf die späten 1980er und frühen 1990er-Jahre veranschaulichte Walkow während seines etwa 60-minütigen Vortrags anhand zahlreicher Beispiele aus seinem persönlichen, sowie aus öffentlichen Fotoarchiven, vor allem die landschaftliche Dimension der Umweltschäden in der Region. Die Auseinandersetzung wurde unter den Teilnehmenden in einer anschließenden Diskussion bei Kaffee und Gebäck weiter vertieft.