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30. Jan. 2026

Am 21. Januar fand unter der Leitung des JTC-Innovationsteams A6 und des Revierscouts Thomas Ernst eine Exkursion nach Kelbra im Landkreis Mansfeld-Südharz statt. Die Exkursion bildete den Auftakt für den Workshop „Un/Bordering Animal Health

 

 

 

 

Exkursion in das Kranichschutzgebiet I Foto Lukas Petersohn

Tiergesundheit und Naturschutz als Themen des Strukturwandels im südlichen Sachsen-Anhalt

Am 21. Januar fand unter der Leitung des JTC-Innovationsteams A6 und des Revierscouts Thomas Ernst eine Exkursion nach Kelbra im Landkreis Mansfeld-Südharz statt. Die Exkursion brachte internationale Wissenschaftler*innen mit Mitgliedern des Just Transition Centers sowie lokalen Praxispartner*innen zusammen. Ziel war es, Einblicke in die Rolle von Naturschutz im Kontext des regionalen Strukturwandels zu gewinnen und den lokalen Ausbruch der hochpathogenen aviären Influenza (auch bekannt als Vogelgrippe oder Geflügelpest) im Oktober und November 2025 im Landkreis zu besprechen.

Die Teilnehmenden besichtigen den Stausee Kelbra, der an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen liegt. Vor Ort gaben Vertreter des Talsperrenbetriebs Sachsen-Anhalt Einblicke in die vielfältigen Aufgaben der Stauseebewirtschaftung, die von Hochwasserschutz und Wasserstandsmanagement bis hin zur Einbindung in aktuelle Strukturwandelprojekte reichen. Wie erläutert wurde, wurde der Stausee in den 1960er-Jahren zur Regulierung der Helme und zum Schutz vor Hochwasser errichtet und ist bis heute ein zentraler Bestandteil regionaler Schutz- und Steuerungssysteme. Gleichzeitig hat sich der See im Zuge des Strukturwandels zu einem der bedeutendsten Rastplätze des Eurasischen Kranichs (Grus grus) in Mitteleuropa entwickelt und spielt damit eine überregionale Rolle für den Arten- und Naturschutz und trägt wesentlich zur Steigerung der touristischen Attraktivität der Region bei. Der Stausee steht somit exemplarisch für die enge Verflechtung von technischer Infrastruktur, Naturschutz und regionaler Entwicklung.

Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Strukturwandelprojekt des Landkreises Mansfeld-Südharz NEST (Informationszentrum „Naturerlebnis Stausee“). Ziel des Projekts ist es, den Stausee als Ort der Umweltbildung, des Naturerlebens und des nachhaltigen Tourismus weiterzuentwickeln. Die Teilnehmenden der Exkursion hatten Gelegenheit, die Baustelle des künftigen Naturerlebniszentrums zu besichtigen und sich über Ziele, Konzepte und Erwartungen des Projekts zu informieren, das einen Beitrag zur zukunftsfähigen Entwicklung der Region leisten wird.

Ein zentraler inhaltlicher Schwerpunkt der Exkursion war der jüngste Ausbruch der hochpathogenen aviären Influenza in der Region. Die Leiterin des zuständigen Veterinäramts berichtete eindrücklich über das Ausmaß des Geschehens im Herbst 2025. Allein im Umfeld des Stausees mussten in den Monaten Oktober und November schätzungsweise 6.000 verendete Kraniche geborgen werden. Darüber hinaus führte ein Verdachtsfall in einem Legehennenbetrieb zur vorsorglichen Keulung von rund 40.000 Hühnern. Die Berichte machten deutlich, wie eng Fragen von Tiergesundheit, Nutztierhaltung, Naturschutz und regionalem Strukturwandel miteinander verflochten sind und welche Herausforderungen sich daraus für Verwaltung, Landwirtschaft und Naturschutz ergeben.

Die Exkursion bildete den Auftakt für den Workshop „Un/Bordering Animal Health“, der vom 21. bis 23. Januar im LegalTech Lab des Just Transition Centers in Halle stattfand. Aufbauend auf den Eindrücken aus Kelbra diskutierten Wissenschaftler*innen unter anderem von den Universitäten Oxford, Edinburgh, Prag, Liverpool, Nairobi und Amsterdam sowie vom Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, aus unterschiedlichen disziplinären und regionalen Perspektiven, wie Tiergesundheit über disziplinäre, räumliche und politische Grenzen hinweg reguliert wird. Die Verbindung von Austausch mit regionalen Praxispartner:innen und wissenschaftlicher Reflexion unterstrich den Anspruch des Just Transition Centers, globale Herausforderungen mit regionalen Erfahrungen zusammenzudenken und neue Formen des Dialogs zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft zu fördern.

Der im Workshop begonnene Austausch wird in Form einer gemeinsamen Buchpublikation in einem internationalen Wissenschaftsverlag weitergeführt; zudem sind weitere Transfer- und Kooperationsprojekte geplant.

 

Dr. Larissa Fleischmann
(Team A6- Vielfalt in sozialökologischen Transformationen)