Am Donnerstag, den 15. Oktober 2026 fuhren die Forschenden des Just Transition Center (JTC) wieder in die Region, um sich auf der vierten Ausgabe des Veranstaltungsformats „JTC trifft Region“ mit regionalen Akteuren, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu vernetzen, Synergien zu entwickeln und die eigene Arbeit vorzustellen. Das Ziel dieses Mal war das cCe Kulturhaus Leuna im Saalekreis und da bot es sich an, den Fokus auf Unternehmen im Bereich Chemie und Bioökonomie zu legen.
Nach Grußworten aus Wirtschaft und Verwaltung nahm sich Prof. Gerd Unkelbach von UPM trotz eigener großer Eröffnungsveranstaltung die Zeit, in einem Key Note-Vortrag auf die Herausforderungen der moderen Bioökonomie im Landkreis einzugehen. Er zeigte eindrucksvoll die starke Vernetzung der einzelnen Produzenten in der chemischen Industrie und welche Fortschritte bereits auf dem Weg zur „Grünen Chemie“ erreicht wurden. Dabei wurde auch deutlich, wie komplex eine Produktionsanpassung ist und dass insbesondere regionale Netzwerke für die neue Kreislaufwirtschaft an Bedeutung gewinnen. „Der Chemiestandort Leuna befindet sich bereits in der ‚grünen‘ Transformation“ schließt Unkelbach.
Zum Abschluss des Vortrags gab es noch eine Überraschung: JTC-Mitarbeiter Dr. Gregory Gan überreichte Gerd Unkelbach ein Gemälde, das im Rahmen seines Kunst- und Forschungsprojektes entstanden ist und einen Teil des Leunaer Chemieparks zeigt. Dafür verarbeitete der Künstler regionale Materialien (z.B. Braunkohle aus dem Bergbau oder Lignin aus Buchenholz) zu Pigmenten. UPM hatte dieses Projekt durch Zugang und Bereitstellung von Material unterstützt.
„Das hänge ich direkt neben das Bild zur Feier ’20 Jahre Chemiepark‘ in mein Büro. Damit zeigt es das Früher und das Heute auf einen Blick.“ (Prof. Gerd Unkelbach, UPM)
Im Anschluss stellten die Forschenden der JTC-Innovationsteams ihre Arbeiten vor. Dr. Timm Sureau erzählte von der Arbeitsmigration aus Usbekistan nach Sachsen-Anhalt, von der die Arbeitenden und die empfangenden Unternehmen gleichermaßen profitieren; Richard Schalinski berichtete aus seiner Forschung zu neuen, regionalen und recycelbaren Materialien für Batterien und betonte. Dabei sei der nächste Schritt nun, gemeinsam mit der Industrie Anwendungsfälle zu entwickeln und zu erproben, um das Mitteldeutsche Revier unabhängiger von globalen Produktionsketten zu machen. Martin Häuer zeigte, dass die Standardisierung und Normung von Produktionsprozessen moderner und schneller werden kann, indem man diese mit Open-Source-Technologie verheiratet. Und Dr. Constanze Zwies zeigte gemeinsam mit Katja Heppe (BioLog Heppe GmbH), wie JTC und regionale Industrie bereits zusammenarbeiten und Synergien nutzen. Die biologisch abbaubaren Klebstoffe aus Designer-Proteinen (inspiriert von der Miesmuschel) können durch die Kombination mit Chitin-Produkten aus Krabbenschalen günstiger in großen Mengen hergestellt und bald der holzverarbeitenden Industrie zur Verfügung gestellt werden.
Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten auf der Bühne Vertreter aus Industrie und Wissenschaft miteinander über die Herausforderungen und Chancen der Transformation im Saalekreis miteinander. Dabei trafen Dr. Fabian Nadolny (VNG AG), Dr. Susanne Bartholomé (Hanffaser Geiseltal e.G.) und Dr. Markus Lange (CTC) aufeinander. Das Publikum diskutierte intensiv mit und setzte die Gespräche im anschließenden Netzwerkteil der Veranstaltung fort. Als Susanne Bartholomé die nächsten Schritte und baldige Standardisierung von Produkten in der Hanffaser-Produktion erwähnte, bot ihr Martin Häuer vom JTC direkt ein Beratungsgespräch an. Auch die restlichen der insgesamt 17 Innovationsteams des JTC hatten Posterpräsentationen mitgebracht und suchten den Austausch mit den etwa 90 Gästen aus der Region.
„Wir machen diese Veranstaltungen jetzt seit zwei Jahren, da die meisten Innovationen oft in ihrer eigenen Blase hängen bleiben. Wir bieten den strukturierten Austausch, um diese [verschiedenen Perspektiven] miteinander ins Gespräch zu bringen. Denn erst dann können die Innovationen auch in der Fläche wirksam werden.“ (Prof. Jonathan Everts, JTC-Vorstand)
Wir danken allen Gästen und Beteiligten für diesen fruchtbaren Austausch und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit an den einzelnen Projekten.