Wenn Engagement Wandel tragen soll: „Revierpionier“ und lokales Engagement im Strukturwandel – Chancen, Grenzen, Spannungsfelder
Wie kann lokales, ehrenamtliches Engagement gesellschaftlichen Wandel tragen und den sozialen Zusammenhalt in einer Strukturwandelregion stärken – und wo stößt es an strukturelle Grenzen?
Foto: Hermine Bähr
Diesen und weiteren Fragen widmet sich unser Kooperationsprojekt mit den Organisator:innen des Ideenwettbewerbs Revierpionier des Landes Sachsen-Anhalt (Metropolregion Mitteldeutschland GmbH). Gemeinsam richten wir den Blick auf zivilgesellschaftliches Engagement im Strukturwandel und auf die Bedingungen, unter denen Beteiligung, Selbstwirksamkeit und demokratische Erfahrungen vor Ort entstehen.
Im Rahmen des Projekts arbeiten wir eng mit dem Revierpionier-Team zusammen. Der Ideenwettbewerb unterstützt seit 2021 niedrigschwellig ehrenamtliche, lokal verankerte Projekte im südlichen Sachsen-Anhalt – insbesondere auch informelle Initiativen und Einzelpersonen, die „klassische“ Förderprogramme oft nicht erreichen. Uns interessiert dieses Format, weil es exemplarisch zeigt, wie Strukturwandel „von unten“ gestaltet werden kann: experimentell, lokal verankert und zivilgesellschaftlich getragen.
Teil der Kooperation war ein projektbasiertes Lehrforschungsformat im Sommersemester 2025. Gemeinsam mit Masterstudierenden der MLU führten wir qualitative Interviews mit Revierpionier-Gewinner:innen der vergangenen Jahre und begleiteten regionale Veranstaltungen. Dabei ging es um Erfahrungen, Erwartungen und Belastungen ehrenamtlichen Engagements, um Fragen von Anerkennung, Beteiligung und Gerechtigkeit sowie um die Rolle lokaler Projekte im größeren Kontext des Strukturwandels. Zugleich bot das Projekt Raum für forschendes Lernen und eine kritische Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen, Förderlogiken und Governance-Strukturen.
Die Auswertung befindet sich aktuell in Bearbeitung, zeigt aber bereits jetzt: Der Wettbewerb eröffnet wichtige Handlungsspielräume, stärkt Selbstwirksamkeit und stärkt Orte der Begegnung. Gleichzeitig werden aber auch Spannungsfelder sichtbar – etwa zwischen niedrigschwelliger Förderung und langfristiger Wirkung, zwischen Engagement und struktureller Überforderung. Diese Befunde werden im Projekt weiter vertieft und perspektivisch in Forschung und Lehre zurückgespielt.
Mit der Kooperation möchten wir dazu beitragen, lokales Engagement im Strukturwandel sichtbarer zu machen, seine Potenziale ernst zu nehmen – und zugleich seine Grenzen zu diskutieren.
Impressionen aus dem Feld – Unterwegs in der Revierpionier-Region




