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Bericht
Arbeit und Ökologie – Eine Exkursion nach Bitterfeld-Wolfen
16. Juni 2026
Team A2

Exkursionsbericht von Studierenden als Teil des Studienmoduls über Politische Ökologie und Arbeitsgeographie des Instituts für Geowissenschaften und Geographie.

JTC Team A1 Strukturwandel &<br />
Partizipation: Gruppenbild – Dr. Jan Winkler, Hermine Bär, Cheyenne Wolf, Pia Kahlfuß, nicht abgebildet: Felix Schiedlowski

Während Klimapolitik als Bedrohung von Arbeitsplätzen verhandelt/besprochen wird, gefährdet petrochemische Produktion dauerhaft Landschaften und Lebensgrundlagen. Trotz der scheinbar antagonistischen Beziehung zwischen Arbeit und Umwelt zielte das Modul Political Ecology meets Labour Geography darauf ab, das Argument zu stärken, dass Arbeitsbeziehungen und ökologische Belange gemeinsam angegangen werden müssen, was ebenfalls den Just Transition-Ansätzen entspricht. Für diese Region blieb die chemische Industrie nach der postsozialistischen Privatisierung einer der wenigen gut bezahlten Beschäftigungssektoren und ein Bezugspunkt für die regionale Identität, steht nun jedoch vor großen Herausforderungen hinsichtlich des ökologischen Wandels und der Deindustrialisierung. Im Seminar befassten wir uns zunächst mit der historisch-geografischen Kontextualisierung und konzentrierten uns dann auf die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Arbeitsbelangen und ökologischen Fragen.

Im Rahmen der Exkursion am 16. Juni nach Bitterfeld-Wolfen beschäftigten wir – Studierende und Dozentinnen der Humangeographie/Digitalen Geographie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – uns am Beispiel des VEB Chemiekombinat Bitterfeld mit der chemischen Produktion selbst und ihren historischen Herausforderungen sowie mit dem Ende der Wertschöpfungskette bzw. der Entsorgung von Substanzen, also mit der Arbeit der Altlastensanierung im Falle der MDSE Bitterfeld (Mitteldeutsche Sanierungs- und Entsorgungsgesellschaft). Uns interessierten die Arbeitsalltage, Wahrnehmungen und Erinnerungen der ehemaligen und aktuell Beschäftigten der und um die Chemieindustrie. Im Rahmen der Exkursion sammelten die Studierenden methodische Erfahrungen, z. B. in der ethnographischen Beobachtung, mit Oral histories/Zeitzeugeninterviews oder der Erstellung eines Fragebogens.

Chemische Rückstände

Nach einer Einführung in die ethnographische Forschung durch Daniel Wolter (Team A2) besuchten wir als ersten Halt die Grube Johannes. Von Lukas Beierl haben wir uns erklären lassen, dass das hier verfüllte Lignin kein Schadstoff sei. Dessen geruchsintensiver Abbau zu toxischen Schwefelwasserstoffen stört allerdings die Anwohnenden und die Grube muss daher mit Schlacke, also verbranntem Hausmüll, verfüllt werden. Wenn diese Verfüllung erstmal abgeschlossen ist, sollen Bodenaufschüttung und bodenstabilisierende Begrünung die Deponie vollenden. Im Anschluss konnten die Studierenden an zwei Beispielen Einblicke in die Altlastensanierung des Grundwasserschadens erhalten: der Pumpeninfrastruktur und einer Grundwasseraufbereitungsanlage.

“Wir lassen uns nicht um jeden Preis vergiften.”

Nachmittags hatten wir die Gelegenheit eines Zeitzeugengesprächs mit ehemaligen Chemiearbeitern im Kultur- und Heimatverein Bitterfeld-Wolfen. Die biographischen Erzählungen machten die orts- und personenbezogene Schaffung von Identität und Bedeutung durch die Fabriken, Rohstoffe und den Einfluss von Walther Rathenau als Begründer der mitteldeutschen chemischen Großindustrie deutlich. Während bei den Arbeitern auch ein Produktionsstolz erkennbar war, trägt jede Arbeitergeschichte parallel auch eine persönliche Auseinandersetzung mit der DDR in sich.

Und wie hingen nun Arbeit und Ökologie zusammen?

Damals war die Chemieindustrie für die starke Körperlichkeit der Arbeit bekannt, Körper und Gesundheit der Beschäftigten wurden als Ressource genutzt und zugegebenermaßen aufgebraucht. Ein Chemiearbeiter berichtet sogar von frühzeitigen Todesfällen durch die Exposition giftiger Gase, betroffen davon war auch ein Familienmitglied. Durch die Erzählungen wurde das zweischneidige Verhältnis zu den Industrielandschaften Bitterfelds sichtbar, das sich durch viele Arbeiterbiographien zog. Als Teile dieser Industrieanlagen nach der Wende gesprengt wurden, fühlte es sich trotz der harten körperlichen Arbeit und anderer Entbehrungen schmerzhaft an.

Wir danken Christian Dorausch, Lukas Beierl und Dr. Markus Einecke für die spannenden Einblicke in die Arbeit der MDSE, Uwe Müller und dem Heimat- und Kulturverein Bitterfeld-Wolfen herzlich für die Organisation und die zur Verfügung gestellten Räume sowie den ehemaligen Chemiearbeitern Peter Krüger, Eberhard Zöllner und Dieter Geißler für die spannenden Einblicke in die DDR-Chemieindustrie!

Sophie Altmiks (Team A2) / Sophie Schmidt (Digitale Geographie)