Energiewende im Untergrund? Subterrane Geographien der Transformation am Beispiel der geothermischen Nutzung von Grubenwasser in Mansfeld-Südharz

Wie werden unterirdisch zirkulierende Grubenwässer im Kontext aktueller Debatten um Energiewende und Strukturwandel in Ostdeutschland verhandelt, reguliert und für geothermische Nutzungen in Wert gesetzt? Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie Energiewenden „unter Tage“ verhandelt und materiell hervorgebracht werden und sich zugleich „über Tage“ in umkämpften politischen Auseinandersetzungen und mehr-als-menschlichen Relationen entfalten.

Quelle: Larissa Fleischmann, Eigene Aufnahme

Das Mansfelder Land ist seit Jahrhunderten durch tiefgreifende anthropogene Eingriffe in die Landschaft geprägt. Der Kupferschieferbergbau hinterließ dabei ein verzweigtes unterirdisches System aus wasserführenden Stollen, Hohlräumen und Schächten, das bis heute eine zentrale Rolle im hydrologischen System der Mansfelder Mulde spielt.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt, wie unterirdisch zirkulierende Grubenwässer im Kontext aktueller Debatten um Energiewende und Strukturwandel in Ostdeutschland verhandelt, reguliert und für geothermische Nutzungen in Wert gesetzt werden.

Ziel des Projekts ist es zu untersuchen, wie Transformationsprozesse spezifische (sub)terrane Geographien hervorbringen, die durch sich wandelnde Relationen zwischen Oberfläche und Untergrund sowie zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren ko-produziert werden. Unterirdische Hohlräume, Salze, Wasser, Mikroorganismen und hydrogeologische Unsicherheiten werden dabei als aktive Akteure verstanden, die politische Agency entfalten und mehr-als-menschliche Transformationsprozesse relational mitgestalten. Der Untergrund erscheint somit als konflikthafter, unsicherer und moralisch ambivalenter mehr-als-menschlicher Raum.

Empirisch basiert das Projekt auf qualitativen, multiperspektivischen Erhebungen im Mansfelder Land. Theoretisch-konzeptuell ist es in den Debatten der Mehr-als-menschlichen Politischen Geographien sowie der Subterranean Geopolitics verortet. So zeigt sich, wie Energiewenden „unter Tage“ politisch verhandelt und materiell hervorgebracht werden und sich zugleich „über Tage“ in umkämpften politischen und mehr-als-menschlichen Relationen entfalten.

Team

Dr. Larissa Fleischmann

Forschungsgruppenleiterin
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Portrait Larissa Fleischmann, Teamleiterin, Team A6. Foto JTC | Markus Scholz