Sophie Altmiks
Viele Kulturdenkmäler wurden ausschließlich umgenutzt: statt industrieller Produktion von Gütern und Energie entstehen wichtige Kulturorte. Nicht aber im E-Werk Luckenwalde, welches nicht nur Raum für Kunst, Kultur und Austausch bietet, sondern wieder Strom produziert.
„Energy Literacy für Just Transition“
Das ehemalige Braunkohlekraftwerk, was im Zuge der Elektrifizierung 1913 ans Netz ging, produziert heute Strom durch Pyrolyse und Solarenergie. Mit diesem Umnutzungskonzept bietet das E-Werk einen passenden Ort, um über Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft von Energieproduktionen und energie(un)abhängigen Lebensweisen nachzudenken, unterschiedlichen wissenschaftliche Zugänge auszutauschen und in Dialog mit unterschiedlichen Akteur:innen und Zeitzeug:innen vor Ort zu treten. Vom 4. bis zum 13. Juli fand daher hier mit 13 Studierenden die Summer School „Energy Literacy für Just Transition“ statt.
Wie kann die Energiewende gelingen?
Die Umstellung der Energieversorgung weg von fossilen Brennstoffen ist eines der umstrittensten Themen: Technologische Errungenschaften und Effizienzsteigerungen reichten bisher nicht aus, um eine tatsächliche „Energiewende“ zu bewirken und unterstreichen die gesellschaftliche Beschaffenheit des Problems. Die einwöchige Summer School und die daraus entstandene Ausstellung stellten sich also folgende Fragen:
- Welche Technologien, Fähigkeiten und Lebensweisen wollen wir hinter uns lassen, um unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden?
- Was wollen wir beibehalten und welche neuen Energiekulturen sollten wir gestalten und aufbauen?
Die Summer School fand im Rahmen des Horizon Europe-Projekts „Petroculture`s Intersections with The Cultural Heritage Sector in the Context of Green Transitions” (PITCH) statt. Organisiert von dem Philosophie- und Kulturanalyseprofessor Jeff Diamanti (University of Amsterdam), dem Designer, Forscher und Organiser für einen postkapitalistische Systemwandel und Klimagerechtigkeit Selçuk Balamir (University of Amsterdam) und dem Heritage-Forscher Colin Sterling (University of Amsterdam) beschäftigten wir uns mit der vergangenen Energieproduktion im Braunkohlekraftwerk, der kulturellen Rahmung des „Arbeiter- und Bauernstaates“ DDR, dem Zusammenhang zwischen industrieller Produktion und sozialer Reproduktion, mit den jetzigen politischen Spannungen im Strukturwandel und zukünftigen Visionen einer „post-carbon form“.
Die Antworten und Gedanken wurden in der Ausstellung „Energie Kultur Erzeugen“/“Sparking Energy Cultures“ anlässlich des Sommerfestes des E-Werks am 12. Juli 2025 präsentiert. Es wurden Objekte, Audio- und Filminstallationen sowie eine interaktive Karte ausgestellt, um die kulturellen und sozialen Verbindungen von Materialien, Infrastruktur und Arbeit zu verdeutlichen. Die Braunkohle wurde von Holzschnitzeln, ein Abfallprodukt der lokalen Holzwirtschaft, abgelöst. Damit sollen das Stadtbad und andere Nachbarn zukünftig mit Strom versorgt werden. Dafür sind nicht nur materielle Infrastrukturen notwendig, sondern auch kulturelle, die einen Energiecampus gestalten/aufbauen, der die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt.
Altes Wissen neu denken
Neue und alte Formen der Energieproduktion wurden von Arbeit ermöglicht und formten wiederum neue Arbeitsweisen, z. B. Veränderungen der Produktions- und Reproduktionsarbeit durch die Elektrifizierung. Durch das gemeinsame Kochen und die gegenseitige Fürsorge während der gemeinsamen Zeit wurde auch deutlich, dass das Verhältnis zwischen bezahlter Lohnarbeit und unbezahlter Sorgearbeit neu gedacht werden muss, um eine wirklich gerechte Energiewende umzusetzen.
Durch die Verschränkungen zwischen der lokalen und der globalen Dimensionen wurde deutlich, dass es bei der Energiewende nicht darum gehen kann, alte Infrastrukturen einzureißen, um neue, ebenso energieintensive Infrastrukturen zu schaffen. Es ist notwendig, altes Wissen wiederzubeleben, vergangene Arbeit zu würdigen und die Energie zu erhalten, die in den Bau von Industriedenkmälern wie dem E-Werk umgesetzt wurden, um eine nicht fossile Energieerzeugung und Lebensweisen aus vergangenen Fähigkeiten und Praktiken aufzubauen.