Projekte
Energiewende im Untergrund? Subterrane Geographien der Transformation am Beispiel der geothermischen Nutzung von Grubenwasser in Mansfeld-Südharz
Das Mansfelder Land ist seit Jahrhunderten durch tiefgreifende anthropogene Eingriffe in die Landschaft geprägt. Der Kupferschieferbergbau hinterließ dabei ein verzweigtes unterirdisches System aus wasserführenden Stollen, Hohlräumen und Schächten, das bis heute eine zentrale Rolle im hydrologischen System der Mansfelder Mulde spielt. Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt, wie unterirdisch zirkulierende Grubenwässer im Kontext aktueller Debatten um Energiewende und Strukturwandel in Ostdeutschland verhandelt, reguliert und für geothermische Nutzungen in Wert gesetzt werden.
Ziel des Projekts ist es zu untersuchen, wie Transformationsprozesse spezifische (sub)terrane Geographien hervorbringen, die durch sich wandelnde Relationen zwischen Oberfläche und Untergrund sowie zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren ko-produziert werden. Unterirdische Hohlräume, Salze, Wasser, Mikroorganismen und hydrogeologische Unsicherheiten werden dabei als aktive Akteure verstanden, die politische Agency entfalten und mehr-als-menschliche Transformationsprozesse relational mitgestalten. Der Untergrund erscheint somit als konflikthafter, unsicherer und moralisch ambivalenter mehr-als-menschlicher Raum.
Empirisch basiert das Projekt auf qualitativen, multiperspektivischen Erhebungen im Mansfelder Land. Theoretisch-konzeptuell ist es in den Debatten der Mehr-als-menschlichen Politischen Geographien sowie der Subterranean Geopolitics verortet. So zeigt sich, wie Energiewenden „unter Tage“ politisch verhandelt und materiell hervorgebracht werden und sich zugleich „über Tage“ in umkämpften politischen und mehr-als-menschlichen Relationen entfalten.
Tiere, Macht und Raum: Mehr-als-menschliche Politische Geographien der Tiergesundheit
in Kooperation mit dem DFG-Projekt Nr. 450048046
Tiere und Viren setzen machtvolle Geographien in Gang. Dies zeigt sich besonders deutlich im politischen Umgang mit Tierkrankheiten wie der Afrikanischen Schweinepest oder der hochpathogenen aviären Influenza (Vogelgrippe). Um Tiergesundheit für bestimmte Subpopulationen herzustellen und nationale Agrar- und Fleischökonomien zu schützen, werden vielfältige Maßnahmen implementiert, die sich in Territorialisierungen und Grenzziehungen räumlich manifestieren.
Ein aktuelles Beispiel ist der Umgang mit der Vogelgrippe in Mansfeld-Südharz. Der Stausee Kelbra hat sich im Zuge des Strukturwandels zu einem der bedeutendsten Rastplätze für Eurasische Kraniche (Grus grus) in Mitteleuropa entwickelt. Gleichzeitig war die Konzentration großer rastender Vogelpopulationen zuletzt im Oktober 2025 mit einem massiven Ausbruch hochpathogener aviärer Influenza in der Region verkoppelt. Die daraufhin verhängten Maßnahmen – darunter Schutz- und Überwachungszonen, Massenkeulungen, Betretungsverbote sowie kartographische Risikoausweisungen – verdeutlichen, wie Wildtiere, Viren und Geflügelhalter in konfliktreiche mehr-als-menschliche Regierungspraktiken eingebunden werden. Damit zeigt sich das Spannungsfeld zwischen Strukturwandel, Naturschutz und Tiergesundheit, das im Zentrum des Forschungsprojekts steht.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt die mehr-als-menschlichen Regierungspraktiken, die im Umgang mit Tierkrankheiten sichtbar werden. Zentral ist dabei die Fragestellung, wie im politischen Umgang mit (Tier-)Krankheiten spezifische räumliche Ordnungsmuster produziert, legitimiert, verschoben oder herausgefordert werden. Gleichzeitig wird analysiert, wie Tiere und Viren diese Regierungspraktiken unterlaufen, transformieren oder Brüche in bestehenden räumlichen Ordnungssystemen offenlegen – etwa dann, wenn hochmobile Arten wie Kraniche territoriale Kontrolllogiken infrage stellen.
Das Projekt bettet sich in die kritische Transformationsforschung und die More-than-Human Political Geographies ein. Ziel ist es, Tiere, Viren und andere Materialitäten als relevante Forschungssubjekte in der Politischen Geographie und der kritischen Transformationsforschung zu verankern und anthropozentrische Perspektiven zu überwinden.