Dr. Larissa Fleischmann

Forschungsgruppenleiterin

Kontakt


Vielfalt in sozial-ökologischen Transformationen

Portrait Larissa Fleischmann, Teamleiterin, Team A6. Foto JTC | Markus Scholz

Vita

Seit Dezember 2024

Wissenschaftliche Teamleiterin des Innovationsteams A6 „Vielfalt in sozial-ökologischen Transformationen: Migration, Demographischer Wandel & Umwelt“ am Just Transition Center (JTC) der MLU Halle-Wittenberg

01/2022 – 10/2022 und 03/2024 – 03/2025

Mutterschutz und Elternzeit

2018-2024

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fachgruppe Anthropogeographie, MLU Halle-Wittenberg

2019

Promotion zum Doktor der Sozialwissenschaften (Dr. rer. soc.), Titel der Promotion „The Contested Solidarities of Refugee Support in Germany: Actions between Humanitarian Help and Political Activism“ (verteidigt mit summa cum laude und ausgezeichnet mit dem Förderpreis 2021 der Sektion Migration und ethnische Minderheiten der Deutschen Gesellschaft für Soziologie)

2014-2018

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin im Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ und Lehrstuhl für Ethnologie und Kulturanthropologie, Universität Konstanz.

2013–2014

Masterstudium „Human Geography – Space, Politics and Power“ (MRes) an der University of Glasgow, Großbritannien.

2010–2013

Studium der Geographie (B.Sc.) an der Universität Bayreuth

2009–2013

Studium der Geographischen Entwicklungsforschung Afrikas (B.A.) an der Universität Bayreuth

 

Projekte

Energiewende im Untergrund? Subterrane Geographien der Transformation am Beispiel der geothermischen Nutzung von Grubenwasser in Mansfeld-Südharz

Das Mansfelder Land ist seit Jahrhunderten durch tiefgreifende anthropogene Eingriffe in die Landschaft geprägt. Der Kupferschieferbergbau hinterließ dabei ein verzweigtes unterirdisches System aus wasserführenden Stollen, Hohlräumen und Schächten, das bis heute eine zentrale Rolle im hydrologischen System der Mansfelder Mulde spielt. Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt, wie unterirdisch zirkulierende Grubenwässer im Kontext aktueller Debatten um Energiewende und Strukturwandel in Ostdeutschland verhandelt, reguliert und für geothermische Nutzungen in Wert gesetzt werden.

Ziel des Projekts ist es zu untersuchen, wie Transformationsprozesse spezifische (sub)terrane Geographien hervorbringen, die durch sich wandelnde Relationen zwischen Oberfläche und Untergrund sowie zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren ko-produziert werden. Unterirdische Hohlräume, Salze, Wasser, Mikroorganismen und hydrogeologische Unsicherheiten werden dabei als aktive Akteure verstanden, die politische Agency entfalten und mehr-als-menschliche Transformationsprozesse relational mitgestalten. Der Untergrund erscheint somit als konflikthafter, unsicherer und moralisch ambivalenter mehr-als-menschlicher Raum.

Empirisch basiert das Projekt auf qualitativen, multiperspektivischen Erhebungen im Mansfelder Land. Theoretisch-konzeptuell ist es in den Debatten der Mehr-als-menschlichen Politischen Geographien sowie der Subterranean Geopolitics verortet. So zeigt sich, wie Energiewenden „unter Tage“ politisch verhandelt und materiell hervorgebracht werden und sich zugleich „über Tage“ in umkämpften politischen und mehr-als-menschlichen Relationen entfalten.

 

Tiere, Macht und Raum: Mehr-als-menschliche Politische Geographien der Tiergesundheit

in Kooperation mit dem DFG-Projekt Nr. 450048046

Tiere und Viren setzen machtvolle Geographien in Gang. Dies zeigt sich besonders deutlich im politischen Umgang mit Tierkrankheiten wie der Afrikanischen Schweinepest oder der hochpathogenen aviären Influenza (Vogelgrippe). Um Tiergesundheit für bestimmte Subpopulationen herzustellen und nationale Agrar- und Fleischökonomien zu schützen, werden vielfältige Maßnahmen implementiert, die sich in Territorialisierungen und Grenzziehungen räumlich manifestieren.

Ein aktuelles Beispiel ist der Umgang mit der Vogelgrippe in Mansfeld-Südharz. Der Stausee Kelbra hat sich im Zuge des Strukturwandels zu einem der bedeutendsten Rastplätze für Eurasische Kraniche (Grus grus) in Mitteleuropa entwickelt. Gleichzeitig war die Konzentration großer rastender Vogelpopulationen zuletzt im Oktober 2025 mit einem massiven Ausbruch hochpathogener aviärer Influenza in der Region verkoppelt. Die daraufhin verhängten Maßnahmen – darunter Schutz- und Überwachungszonen, Massenkeulungen, Betretungsverbote sowie kartographische Risikoausweisungen – verdeutlichen, wie Wildtiere, Viren und Geflügelhalter in konfliktreiche mehr-als-menschliche Regierungspraktiken eingebunden werden. Damit zeigt sich das Spannungsfeld zwischen Strukturwandel, Naturschutz und Tiergesundheit, das im Zentrum des Forschungsprojekts steht.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt die mehr-als-menschlichen Regierungspraktiken, die im Umgang mit Tierkrankheiten sichtbar werden. Zentral ist dabei die Fragestellung, wie im politischen Umgang mit (Tier-)Krankheiten spezifische räumliche Ordnungsmuster produziert, legitimiert, verschoben oder herausgefordert werden. Gleichzeitig wird analysiert, wie Tiere und Viren diese Regierungspraktiken unterlaufen, transformieren oder Brüche in bestehenden räumlichen Ordnungssystemen offenlegen – etwa dann, wenn hochmobile Arten wie Kraniche territoriale Kontrolllogiken infrage stellen.

Das Projekt bettet sich in die kritische Transformationsforschung und die More-than-Human Political Geographies ein. Ziel ist es, Tiere, Viren und andere Materialitäten als relevante Forschungssubjekte in der Politischen Geographie und der kritischen Transformationsforschung zu verankern und anthropozentrische Perspektiven zu überwinden.

Kontakt

Dr. Larissa Fleischmann

Forschungsgruppenleiterin

Institut für Geowissenschaften und Geographie
Von-Seckendorff-Platz 4
06120 Halle (Saale)

 

Mail

larissa.fleischmann@geo.uni-halle.de

Zimmer

H4 2.32