Trotz Regens und grauem Himmel wurde das Kraftwerk Zschornewitz am Tag der Industriekultur zu einem lebendigen Ort des Austauschs: Rund 200 Besucher*innen fanden den Weg auf das historische Gelände; viele von ihnen, um an einer der beliebten Führungen durch das Kraftwerk oder durch die angrenzende Werkssiedlung teilzunehmen.
Die Posterausstellung „Was Leerstand im Mitteldeutschen Revier erzählt“ von Cheyenne Wolf begleitete den Tag als offenes Angebot für wartende Gäste – und entwickelte dabei eine eigene Dynamik. Während sich Gruppen für die nächsten Rundgänge sammelten, bot die Ausstellung Raum zum Verweilen, Lesen und vor allem zum Gespräch. Sie gab Einblicke in ein Forschungsprojekt zu industriellen Leerständen und ihren informellen Nutzungen und machte deutlich: Leerstand ist alles andere als leer.
In Bildern, Zitaten und Fragen zeigte sich, wie unterschiedlich diese Orte wahrgenommen werden – als Erinnerungsräume, Freiräume, als sichtbare Brüche oder auch als Konfliktfelder des Strukturwandels. Viele Besucher*innen nutzten die Zeit vor oder nach den Führungen, um ihre eigenen Perspektiven einzubringen. Es entstanden spontane Gespräche, in denen Erinnerungen geteilt, Beobachtungen verglichen und Fragen an die Forschung gestellt wurden.
Besonders eindrücklich waren persönliche Erzählungen aus dem Alltag im Kraftwerk und der Siedlung. Jemand erinnerte sich etwas, dass man hier als Kind nur den Dreck von der Kleidung schütteln musste, der vom Kraftwerk kam – anders als in Leuna mit seiner chemischen Industrie. Andere knüpften daran an und berichteten von Leerständen in ihren eigenen Städten und den Bedeutungen, die sie diesen Orten zuschreiben.
Die Führungen durch das Kraftwerk wurden von ehemaligen Werksangehörigen („Werkssenior*innen“) sowie Personen mit biografischen Bindungen an den Ort durchgeführt, die anschaulich von ihrem Arbeits- und Lebensalltag berichteten und die enge Verbindung von Industriearbeit und Wohnen erfahrbar machten.
Gemeinsam mit Akteur*innen vom Forum Rathenau und von Ferropolis konnte so ein vielseitiger und gut besuchter Austausch und Beitrag zum Tag der Industriekultur gestaltet werden.
Mehr über die Projekte von Ferropolis und dem Forum Rathenau mit dem Kraftwerk Zschornewitz erfahren Sie hier:
Hier geht es zum Forschungsprojekt von Cheyenne Wolf: Mehrdeutige Liminalitäten